Was ist Lichtdruck?

 

Als die Fotografie erfunden war, suchte man nach einer Möglichkeit, das neue Medium auf Papier zu drucken, um es in Büchern oder als Abbildung nutzen zu können. Man fand die bis heute hochwertigste Art Halbtonvorlagen zu reproduzieren, den Lichtdruck.

Basis des Verfahrens ist lichtempfindliche Gelatine, die auf eine Glasplatte gegossen wird. Bei der Belichtung eines Halbtonnegatives unter UV-Licht findet ein Lichtgerbungsprozess statt, der ein Quellrelief und das Runzelkorn als druckgebendes Mittel enstehen lässt. So ist es möglich, Helligkeitsunterschiede ohne technisches Raster auf verschiedensten Materialien wiederzugegeben.

Eine „Autogrammkarte“ von Bismarck aus dem Jahre 1890.

Als Einstieg in die Thematik empfehlen wir das Video von den „Kollegen“ aus Kyoto

Die Zahl derer, die Lichtdruck anbieten bzw. sich mit der Technik beschäftigen ist leider kurz. Wir möchten diesen erlesenen Kreis vorstellen, erweitern und uns gemeinsam für den Erhalt des Verfahrens einsetzen…

benrido

Die „Kollegen“ sind seit 1905 durchgehend in Kyoto, Japan aktiv und betreiben die größte Werkstatt für Lichtdruck.

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Lichtdruck-Kunst-Leipzig

In Leipzig betreibt Janine Kittler in Zusammenarbeit mit den „alten Hasen“ eine Lichtdruckwerkstatt im Museum für Druckkunst.

 

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Gerd Bertholdt

Der Betreiber der „kleinste Lichtdruckerei der Welt“ in der Nähe von Stade, experimentiert fleißig an/mit verschiedenen Techniken und bietet wunderbare Workshops auf dem Berthof an.

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Seit März 2018 wurden mit Beschluss der Deutschen UNESCO-Kommission die „Künstlerische Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen“ (und damit auch das Lichtdruckverfahren) in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, was uns sehr freut und unseren Bemühungen, den Lichtdruck zu erhalten und weiter zu entwickeln sicherlich helfen wird.

Faksimile einer Bibelseite

Wer braucht Lichtdruck?

 

Die „Königin der Reproduktionstechnik“, wie der Lichtdruck auch betitelt wird, gilt mit höchster Wiedergabequalität und Beständigkeit als  erste Wahl für die dauerhafte Reproduktion und Archivierung von Kulturschätzen (Faksimile). Die Kombination aus rasterlosem Druck und einer Haltbarkeit (Lichtbeständigkeit) von 100-Jahren-Plus ist der entscheidende Faktor. Darüber hinaus ist die Auswahl der zum Einsatz kommenden Medien (Papier) mannigfaltig und das Arbeiten mit Volltonfarben ermöglicht die naturgetreue Reproduktion.

Den Lichtdruck als Ausdrucksform und als Produktionsmittel zu nutzen ist unser erklärtes Ziel. Das werden wunderbare Termine in der Werkstatt. Wir freuen uns auf Kreative und Künstler, mit denen wir gemeinsam Auflagen erstellen und Werte schaffen.

Weiterhin ist ein Kunstförderprogramm in Planung, bei dem wir den Rahmen setzen und verschiedenen Motivgebern anbieten, Teil davon zu werden. Dabei möchten wir verschiedenen Aspekte miteinander verbinden – Editionen zu einem günstigen Preis anzubieten, um viele Menschen in den Genuss von Lichtdrucke kommen zu lassen und Motivgebern einen Einstieg in den Kunstmarkt ermöglichen und Geld zu verdienen.

Lichtdruck 2.0

Wie würde man heute Lichtdruck machen?

Unser Ansatz ist, das Verfahren mit heutigen Möglichkeiten zu überarbeiten, alte Probleme zu beseitigen, Prozessabläufe zu standardisieren und reproduzierbar zu machen, Alternativen zu finden und unsere Ergebnisse zu dokumentieren und öffentlich zu machen.

Das Ziel ist, den Lichtdruck wieder aufleben zu lassen, zu einem sicheren Produktionsmittel zu entwickeln und langfristig neue Werkstätten aufzubauen. Klingt fantastisch bzw. nach Größenwahn, wäre aber wünschenswert, notwendig und wunderbar, wenn es gelingt.

Der Frage gehen wir ab 2018 auch in Kooperation mit Hochschulen und Institutionen im Rahmen eines Forschungsprojektes nach.

Neben einer historischen Aufarbeitung sind hier die Ziele

  • ökologische und ökonomische Aspekte zu optimieren
  • eine neue Form der Druckvorlagenherstellung zu etablieren,
  • neue Druckfarben zu entwickeln, u.v.m.

Ein paar erste Ansätze und Ideen (siehe unten) geben Ihnen vielleicht einen Eindruck in die „Probleme“, die uns beschäftigen. Wir brauchen Zeit für den Lichtdruck, personelle Verstärkung und Menschen, die etwas dafür haben, den Lichtdruck zu erhalten bzw. weiter zu entwickeln.

Die Fachliteratur, die wir aufmerksam und mit Freude studiert haben, mahnt die Sorgfalt, Ruhe und Verantwortung, die dem Lichtdruck innewohnt, ermutigt aber auch (nach reiflicher Überlegung!) sich selbst in der Theorie und Praxis zu versuchen, da die Faszination und das Ergebnis die Mühe wert seien.

 

Darin heißt es beispielsweise im geschichtlichen Auszug …

Mit grosser Ausdauer und Mühe arbeiteten unausgesetzt Fachgelehrte und Praktiker an der Vervollkommnung des Lichtdruckes; ein Wesentliches trugen auch die Gelatine-, Farben-, Papier- und Pressenfabrikanten dazu bei, dass dieses Verfahren so rasch in der Praxis festen Fuss fassen konnte, indem sie trachteten, ihre Erzeugnisse dem Verfahren anzupassen.

Als dann 1871 Josef Albert in München nach seinen Angaben in der Maschinenfabrik Faber & Cie. in Offenbach a. M. (jetzt Faber & Schleicher) die erste Schnellpresse bauen ließ und damit günstige Resultate erzielte, griffen die Maschinenfabrikanten diese Idee auf, verbesserten und vereinfachten die ganze Konstruktion der Maschine fort und fort, so dass der Lichtdruck nunmehr auch zur wirklichen Massenproduktion sich eignet, was ja durch die Hunderte im Betriebe befindlichen Schnellpressen erwiesen ist.

 

Der LICHTDRUCK an der Hand- und Schnellpresse samt allen Nebenarbeiten.
August Albert, 1906

Das waren noch Zeiten…
Ein wunderbares Fachbuch!
Download als pdf (21 MB!)

(Wie) geht es weiter?

 

Für die anstehende Aufgaben brauchen und suchen wir Unterstützung und Hilfe.

Wer wie wir …

  • von der Technik fasziniert ist und etwas dafür hat, den Lichtdruck als Kulturerbe zu erhalten,
  • mit Wissen und Forschung dazu beitragen kann, reproduzierbare Ergebnisse zu entwickeln,
  • daran interessiert ist, Kulturschätze physisch zu erhalten und zugänglich zu machen,
  • Kunstdruckeditionen realisieren möchte,

laden wir ein, uns in der offizin zu besuchen, sich vor Ort ein Bild zu machen und gemeinsam individuelle Möglichkeiten der Unterstützung zu erarbeiten.

Unsere Tür ist „offin“ für interessierte Sponsoren, Investoren, Gönner und Mäzene, die die Möglichkeiten und das Potential der offizin und „Lichtdruck 2.0“ unterstützen möchten und können.

Mit „Zeit für Lichtdruck“ haben wir eine spontane und unkomplizierte Möglichkeit geschaffen, uns bei unserer Arbeit zu unterstützen.

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